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Besitzer von Tesla-Fahrzeugen kritisieren seit Langem das Trockenwischverhalten, das daraus resultiert, dass man sich zur Erkennung von Niederschlag ausschließlich auf Kameras statt auf herkömmliche Infrarot-Regensensoren verlässt. Ein neu veröffentlichtes Patent mit dem Titel „Wiper Friction Estimation for Autowiper Performance Improvement“ beschreibt eine softwarebasierte Lösung für dieses Problem.

Der Tesla-Ingenieur und Miterfinder Yun-Ta Tsai bestätigte auf X, dass diese Funktion bereits in der gesamten Flotte aktiv ist und mit dem FSD-Update v14.3 noch intelligenter wird.

Das Energiebilanzmodell

Anstatt sich nur auf Kamerabilder zu verlassen, um auf eine nasse Windschutzscheibe zu schließen, misst der Ansatz den physikalischen Widerstand, der auf das Wischerblatt wirkt. Das Body Control Module des Fahrzeugs wendet dabei ein fortschrittliches Energiebilanzmodell an.

Es überwacht präzise die elektrische Leistung, die an den Wischermotor abgegeben wird, unter Verwendung interner Spannungs- und Stromsensoren und berücksichtigt dabei bekannte Effizienzverluste. Dazu gehören elektrische Verluste im Motor, Reibungsverluste im mechanischen Wischergestänge sowie der aerodynamische Widerstand des Wischerblatts aufgrund der aktuellen Fahrzeuggeschwindigkeit.

Durch die Bilanzierung der elektrischen Leistungsaufnahme gegenüber diesen mechanischen und aerodynamischen Verlusten isoliert das System die Reibung, die direkt zwischen dem Gummiblatt und der Scheibe auftritt.

Für eine höhere Genauigkeit berechnet das System diese Reibung hauptsächlich während des mittleren Teils des Wischerbogens, wo sich das Blatt mit der höchsten Geschwindigkeit und der geringsten Beschleunigung bewegt, was ein saubereres Signal liefert.

Dem FSD einen Tastsinn geben

Dieser kontinuierliche Strom an Reibungsdaten liefert einen direkten Feedback-Loop an das Autopilot-Steuergerät. Wenn Kameras dem Fahrzeug das Sehen ermöglichen, gibt ihm die Reibungsschätzung einen Tastsinn.

Durch die Analyse der physikalischen Reibung kann das Fahrzeug unmittelbar darauf schließen, was sich auf der Scheibe befindet, ohne sich rein auf die Kameras zu verlassen:

  • Trockene Scheibe und Schmutz: Wenn die geschätzte Reibung deutlich höher ist als erwartet, erkennt das System, dass die Scheibe völlig trocken oder mit klebrigen Rückständen bedeckt ist. Dies verhindert ein weiteres abrasives Trockenwischen und kann automatisch das Scheibenwischwasser auslösen, um die Blockade zu beseitigen.
  • Eis und Frost: Wenn die Reibung bei Nässe ungewöhnlich niedrig ist, kann das System eine glatte Frost- oder Eisschicht auf der Windschutzscheibe erkennen. Das Fahrzeug kann dann automatisch die Klimaanlage und die Enteisungsfunktionen aktivieren, um das Eis zu schmelzen.
  • Verschlissene Wischerblätter: Durch die Überwachung dieser Reibungswerte über einen längeren Zeitraum kann das System sogar erkennen, wenn die Gummiwischerblätter nachlassen, und den Fahrer automatisch darauf hinweisen, dass es Zeit für einen Austausch ist.

Bereits im Einsatz und Weiterentwicklung in v14.3

Obwohl Patente oft auf zukünftige Hardware hindeuten, handelt es sich bei dieser Reibungsschätzung um eine Software-Innovation. Tsai gibt an, dass diese Logik bereits per Over-the-Air-Update in der gesamten Flotte implementiert wurde, sodass das System das Material auf der Scheibe „fühlen“ kann. Dadurch kann es bei Bedarf umgehend einen Waschvorgang der Windschutzscheibe auslösen und erkennen, wenn ein Trockenwischvorgang stattgefunden hat.

Tsai kündigte außerdem weitere Verbesserungen für winterliche Wetterbedingungen auf Basis dieser Technologie an, einschließlich einer besseren Steuerung des Wischwassers sowie optimierter Enteisungs- und Antibeschlagfunktionen, die im FSD-Update v14.3 enthalten sind.